Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM

 

Mir ist was neues "zugelaufen". Seit dem erscheinen des SIGMA 500mm F4 DG OS HSM Sports letztes Jahr ist der Gebraucht- Preis des Vorgängers 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM ein ganzes Stück gesunken. Allerdings hatten wohl viele auf dem Gebrauchtmarkt befindliche Exemplare  ein ziemlich hartes Leben, verschrammeltes Äußeres* und verkratze Linsen sind fast Standard. Ich hatte das Glück, ein Exemplar zu bekommen, welches fast ladenneu aussieht.

 

*das liegt zum Teil auch am wenig robusten "Zen" Oberflächenfinish, was Sigma eine Zeit lang verwendete


 

Das Sigma 4,5/500mm ist für mich nichts neues, ich habe bereits seit vielen Jahren das Ur- Modell davon. Was bei meinem neuen Fang sofort auffällt: Für eine lichtstarke 500mm Festbrennweite ist es ausgeprochen zierlich. Und nicht nur das, es ist praktisch federleicht! Vielleicht bedingt durch die schlanke "Taille", empfinde ich es handgehalten sogar angenehmer/ ergonomischer als mein 120-300mm Sports .

Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM
Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM


Meines Wissen gibt es vom Sigma 4,5/500mm drei Versionen: 

 

• Sigma 500mm 1:4,5 APO-AF, das Urmodell von 1990*, mit "Screwdriver"/ Stangenantrieb- Autofokus. Das war noch ein richtiger Klopper, siehe nachfolgende Bilder. Wobei für die Gesamtlänge eigentlich nur die zweistufige Gegenlichtblende verantwortlich ist, der Tubus alleine ist kürzer als beim Nachfolger. Aber die Frontlinse hat ca. einen Zentimeter mehr Durchmesser. Diese Modell habe ich seit langem für Minolta/ Sony A-Mount.

 

• Sigma 500mm 1:4,5 APO EX HSM von 1998*, mit dem damals typischen grob gerippten Gummi am Fokusring

 

• Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM von 2005*, mit dem "Feinripp" Gummibelag der letzten pre-OS Baureihe. Dieses habe ich jetzt bekommen.

 

*Quelle: Sigma History

 

 

Das gefällt mir an den Sigma Ingenieuren, mit leichten Abweichungen vom Mainstream erschaffen sie immer mal wieder etwas, was es in der Art weder vom Original- noch vom anderen Dritthersteller gibt. Hier haben sie durch die Kastration um eine lächerliche drittel Blende eine 500mm Festbrennweite nicht nur sehr preisgünstig, sondern auch noch extrem handlich und leicht gemacht. Wobei ich die Gegenlichtblende vom Ur-Modell besser finde, die Neuere hätte nicht ganz so kurz hätte ausfallen müssen. Nicht unbedingt wegen Streulicht, ich denke da mehr an Regen oder Schnee zusammen mit Wind, oder auch Staub. Wahrscheinlich ist sie so kurz, um bei für den Transport umgedrehter Montage nicht mit dem Griff zu kollidieren?

 

Wie man auf dem fünften Bild sieht, hat mein "Ur-Modell" nicht mehr die original Stativ-/ Griffschelle. Durch die angebrachte lange Schnellwechselplatte lässt es sich aber gut heben, halten und tragen. Auch die erste Version ist, dem monströsen Aussehen zum Trotz, nicht sonderlich schwer. 

 

Das Neuere ist absolut göttlich im Handling. Der Griff ist zwar ziemlich weit vorne, und mit Kamera eigentlich nicht wirklich ausbalanciert, aber in der Praxis passt das einwandfrei.  

 


Ein erstes ausprobieren im Wildpark Poing, an einem ziemlich frischen, trüben Wintertag mit -3° plus Wind, was laut Wetterbericht gefühlte -9° ergab. Unter 1600 ISO bei Blende 4,5 war selbst ausserhalb des Waldes nichts zu machen. Der Autofokus ließ sich davon, und auch vom stabilen und zudem noch vereisten Zaun des Wolfsgeheges, nicht beeindrucken. Zusammen mit der D700 habe ich zwar keine spektakulären, aber doch ordentliche, vorzeigbare Ergebnisse erzielt. Gut, bei dem Adler habe ich nicht das Auge, sondern die umliegenden Federn getroffen. Shit happens. Für den ersten gemeinsamen Ausflug und fast gefrorene Finger bin ich zufrieden.

 

 


 

Aus gegebenem Anlass habe ich am selben Tag noch etwas irrwitziges probiert: Mit 500mm im Wohnzimmer fotografiert. Warum? Weil unser Silver-Bengalen Nachwuchs jetzt schon auf uns reagiert, sprich, wenn ich mich auf den Boden lege, kommen sie angedackelt und wollen am liebsten in die Gegenlichtblende kraxeln. Mit dem Mindest- Fokusabstand von vier Metern war ich außerhalb ihres Aufmerksamkeitsbereichs :)

 

 

Unsere Wohnzimmerbeleuchtung ist mehr designorientiert und von der Lichtmenge eher spärlich, daher kam als Lichtquelle ein gegen die Decke gerichteter, kleiner Studioblitz zum Einsatz. Somit konnte ich 1/250s. mit ISO 640 bei Offenblende erreichen. Der Lichtwert des vorhandenen Wohnzimmerlichts liegt irgendwo zwischen 1 und 2, da hat der Autofokus manchmal schon ein bisschen Zeit gebraucht, hat aber oft genug genau getroffen.

 


 

Emma war am nächsten Tag noch so freundlich, sich für einen kurzen Outdoor- Versuch zur Verfügung zu stellen (obwohl sie Schnee eigentlich sch*** findet). Mit der langen Brennweite ergibt sich eine interessante, stark gestauchte Perspektive. Der Hintergrund, der nicht mehr als drei Meter entfernt war, löst sich komplett in Wohlgefallen auf.

 

Wenn die kleinen Katzenmotive sich schnell auf die Kamera zu bewegen, haben die meisten Objektive (und Kameras) Schwierigkeiten, die Schärfe perfekt zu platzieren. Ehrlich gesagt hätte ich mit dem 4,5/500 so einen Erfolg gar nicht erhofft, zumal der Schärfebereich winzig ist.


 

Wie weiter oben schon beschrieben, finde bzw. fand ich die Gegenlichtblende des Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM zu kurz. Ich habe mir ein Zusatzteil gebastelt, welches innen mit Moosgummi versehen ist und sich einfach aber gut haltbar auf die originale Blende stecken lässt. Jetzt ist meine Frontlinse deutlich besser vor Regen und Schnee geschützt, und das ganze Objektiv hat durch die Moosgummi- gefederte Blende auch gleich noch einen besseren Schutz vor eventuellen Remplern. Dank des größeren Durchmessers steht die Kombi Objektiv + Kamera jetzt auch sicherer, wenn man sie auf dem Objektiv (also senkrecht) abstellt, was ich gerne mache, weil es a) ergonomisch ist und b) kein Dreck auf die Linse fallen kann. Das Gesamtgewicht liegt mit der Zusatzblende um ca. 250 Gramm höher, was für mich noch tragbar ist.

 

Randabschattung/ Vignettierung durch die längere Blende ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen und bei einem Bildwinkel von 5° auch eher unwahrscheinlich, zumal ich den Durchmesser entsprechend größer gewählt habe (Durchmesser Originalblende: 13cm, Zusatzblende 15cm, Länge Originalblende 8,8cm, mit Zusatzblende 16cm). Ich werde das aber nochmal genau vergleichen.

 

Irgendwie hat es so auch einen "zeitgemäßen" Look bekommen, und die, wie bei allen langen Tüten, ziemlich labile Feststellschraube der Geli liegt gut geschützt hinter der großen Blende.

 

Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM

11. März 2018

 

Irgendwie kommt es mir vor, als würde sich das 500er Sigma mit der längeren Streulichtblende jetzt auch besser machen, wenn die Sonne scheint. Bei Sonne und zur falschen Tageszeit werden meine Bilder mit langen Tüten oft etwas flau. Heute hatte ich mich über Sonnenschein und 18 Grad aber gefreut und bin am späten Vormittag losgezogen. Dabei hatte ich das Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM an der Nikon D500. Beim letzten Bild, Frischling im Galopp, musste ich feststellen dass die Winzlinge teilweise sehr flott unterwegs sind. Bei 1/1000s. ist doch eine deutliche Bewegungsunschärfe zu sehen.

 

30. März 2018

 

Nach langen gab es heute endlich mal wieder "Licht". Da hab ich gleich das 500er zum Seehamer See geschleppt, was erfreulich mühelos ging. Eigentlich ist es im Rucksack gewichtsmässig gar nicht aufgefallen. Für freilebende kleine Vögel sind 500 Millimeter an der D700 dann doch ziemlich kurz habe ich festgestellt, aber die Abbildungsqualität gefällt mir. Ich mag die Farben, die Auflösung und Schärfe, und der Autofokus war auch bei den Winzlingen wieder sehr zuverlässig. Auch den Verlauf in die Unschärfe und die Abbildung der unscharfen Bereiche mag ich.

 

Probeweise habe ich ein paarmal ans andere Seeufer und auf die Inseln gezielt, und damit einige ziemlich seltsame Landschaftsfotos erschaffen. Irgendwie scheint da, trotz der langen GeLi, auch etwas Streulicht mit im Spiel zu sein? Vielleicht war es auch Dunst über dem Wasser.

 

Auch die Bengalenkitten waren kooperativ, wobei sie das mit der Fokus- Nahgrenze von gut vier Metern nicht immer eingesehen haben. Auch wenn sie auf mich zudackeln, hält der Autofokus brav und zuverlässig die Schärfe am richtigen Punkt.

 

Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM

 

 

Übrigens lässt sich auch das erste Modell des Sigma 4,5/500mm nicht lumpen. Der mechanische Autofokus Antrieb ist zwar nicht der schnellste, aber durchaus brauchbar. Die Abbildungsqualität glänzt nicht durch höchste Auflösung, reicht aber für 24 Megapixel auf Vollformatsensoren aus. ich finde, es hat eine gute und feine Schärfe (beim Bild des Leoparden Julius hat das Panzerglas des Geheges sichtbar Schärfe vernichtet). Wie bei vielen älteren Sigmas wirken die Bilder direkt ooc etwas weich, was aber m.E. überwiegend an dem etwas geringen Mikrokontrast liegt und in der Nachbearbeitung leicht ausgeglichen werden kann. Also für ein 1990er Ultratele schon ok. 

 


 

Bei beiden Versionen bin ich der Meinung, dass man es mit der Belichtung genau nehmen muss, im Zweifelsfall eher knapp. Überbelichtung wird recht schnell mit einem matschigen Bildeindruck/ Überstrahlungen bestraft. Das ist bei langen Tüten aber generell keine Seltenheit.  Und dass ohne Zoom hin und wieder ein Ohr angeschnitten wird oder ein Füßchen aber der Strecke bleibt... nun ja :)


 

 

18. Mai 2018

 

Ohje, jetzt hat mein Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM  einen Defekt: Immer mal wieder (Tendenz leider zu immer öfter-) fällt der Autofokus aus. Meistens lässt er sich durch leichtes "nackeln" in dem Spiel zwischen Objektiv- und Kamerabajonett (das Spiel zwischen Kamera- und Objektivbajonett kommt mir jetzt nicht anormal vor, ein bisschen Spiel ist da ja immer) wieder in Betrieb bringen, ab und zu muss ich allerdings den Bajonett- Entriegelungsknopf an der Kamera drücken (nur Knopf drücken, nicht Objektiv drehen oder abnehmen), damit der AF wieder arbeitet. Meines Wissens verursacht Druck auf den Entriegelungsknopf ja eine Art "Neustart" des Objektivs? 

 

Hin und wieder gibt es aber auch sehr seltsame Fehler: Da Nikon- Version, hat mein Objektiv einen Blendenring. Dieser steht bei mir grundsätzlich in der Standardposition F/32 und ist auch mit dem Feststellschieber arrettiert. Trotzdem meldet die Kamera ab und zu, dass sich der Ring NICHT in der F/32 Position befände. Gestern ist mir dann noch etwas ganz komisches passiert: Mitten in einer Serie (Modus "M", Blende 4,5 Zeit 1/800s. ISO 3200 wurden zwei schwarze Aufnahmen gemacht, welche laut Exif mit Blende 95(!??) aufgenommen wurden. Auch die angezeigte Brennweite von 7800mm finde ich ziemlich beachtlich :-D

 

Die Fehler treten an sämtlichen Kameras (D3, D3s, D700, D500) gleichermaßen auf, so dass ich annahm, der Fehler müsste objektivseitig zu suchen sein. Die freundliche und kompetente Dame von der Sigma Serviceannahme meinte, da könnte im Objektivbajonett etwas defekt oder locker sein, oder das Objektiv benötigt ein Firmware Update, oder auch beides. Bin gespannt...  

 

 

Objektivfehler Sigma 500mm 1:4,5 APO EX DG HSM

 

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