Nikon Nikkor 50mm 1:1,8 D vs. G

24. April 2018

 

Das AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G hatte ich mir vor Jahren angeschafft, weil "man halt ein 50er braucht". Zugegeben ist das nicht meine Brennweite, aber hin und wieder habe ich ein bisschen Spaß mit dem "Normalobjektiv". Allerdings war ich mit dem G nie wirklich zufrieden. Egal ob an der D3, D3s, D2x oder an anderen Kameras, die Fokussierung nimmt es nicht sonderlich genau und die Schärfe liegt recht oft vor- oder nach dem anvisierten Punkt. Außerdem hat es bei harschen Lichtbedingungen ein  seltsames, sehr auffälliges "Glühen" an Kontrastkanten, was ich sonst bisher nur bei alten Tokinas erlebt hatte. Einen knackig- scharfen Bildeindruck hatte ich, wenn ich das 50mm G bei Offenblende verwendet habe, so gut wie nie. Natürlich kann man bei Blende 4 oder 5,6 ordentliche Bilder damit machen, aber dafür brauche ich keine lichtstarke Festbrennweite.

 

Das nachstehende Bild zeigt so ein typisches Fail, wie ich in vier Jahren mit dem 50mm G massenhaft produziert habe. Matschig, verwaschen und dazu das starke Glühen an den Schnurrhaaren. Das Fokusfeld lag auf dem Auge, scharf ist bestenfalls die Nase. Da der Fehlfokus zwischen "Front" und "Back" variiert, hilft hier auch keine AF Feineinstellung. Solche Resultate finde ich noch nicht einmal originell, das ist schlicht unbrauchbar.

 

 

Fail: AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G an Nikon D2xs  |  Blende 1,8  |  1/250s.  |  ISO 200
Fail: AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G an Nikon D2xs | Blende 1,8 | 1/250s. | ISO 200

 

Mein Eindruck also: Gurke. Natürlich wird jetzt der eine oder andere sagen, so ein billiges Plastik- 1,8er kann ja nicht gut sein, da muss man schon den dreifachen Betrag investieren in ein 50mm 1:1,4. Leider habe ich (und auch andere) die Erfahrung gemacht, dass die teureren 1,4er nicht besser sind, im Gegenteil. Bei Canon und Sony (A) sind die 1,4er noch schlechter als die 1,8er. 

 

Da mir außerdem die 50mm Liga nur zum Gelegenheitsgebrauch dient, wollte ich auch nicht viel investieren. Ich habe also beschlossen, es mit dem älteren AF Nikkor 50mm 1:1.8 D zu versuchen. Das kleine D-50er war mir auf Anhieb sympatisch. Es fährt zwar beim Fokussieren je nach Motiventfernung vorne aus, was etwas seltsam aussieht, es hat Stangen-/ "Screwdriver" Antrieb statt Motor, ist laut und nicht das schnellste. Trotzdem habe ich mit dem alten 50er irgendwie ein gutes, solides Gefühl.

 

Das ist natürlich eine vage Aussage ;-) und ich wollte es schon etwas genauer wissen. Die Bedingungen waren ideal für einen Praxis- Vergleich: Schönes, weiches Abendlicht, zwei nahezu identische Kameras (D2x und D2xs) und ungewöhnlich kooperative Katzen. Sie haben wirklich in der jeweiligen Position verharrt, bis ich mit beiden Objektiven/ Kameras praktisch die selbe Aufnahme gemacht hatte!

 

Das Ergebnis hat mich sehr erstaunt, allerdings nicht wie erwartet/ erhofft: Zum allerersten Mal hat mir auch das "G" bei Offenblende brauchbare Bilder geliefert :-P die Fotos sind nahezu identisch.

 

 

 

 

Zuerst das ältere 50mm 1:1,8 D an der D2x, alles Blende 1,8:

 

 

 

 

 

 

Und hier das neuere 50mm 1:1,8 G, auch alles Blende 1,8:

 

 


 

 

Die Fotos von beiden 50ern haben eine gute Schärfe und Durchzeichnung, auch der Autofokus hat sich keine gravierenden Aussetzer geleistet. Ich habe von jeder Situation 3 bis 5 Aufnahmen gemacht und das jeweils beste Foto verwendet, die Unterschiede waren aber minimal. Wenn man ganz genau hinschaut, sind die roten CAs beim "G" etwas stärker als beim "D", siehe 100% Ausschnitt.

 

AF Nikkor 50mm 1:1,8 D bei Blende 1,8
AF Nikkor 50mm 1:1,8 D bei Blende 1,8
AF Nikkor 50mm 1:1,8 D bei Blende 1,8
AF Nikkor 50mm 1:1,8 D bei Blende 1,8, 100%
AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G bei Blende 1,8
AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G bei Blende 1,8
AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G bei Blende 1,8
AF-S Nikkor 50mm 1:1,8 G bei Blende 1,8, 100%

 

 

Auch wenn der Autofokus beim AF-S G gefühlt "schneller" und beim AF D gefühlt "langsamer" ist, merkt man in der Praxis keinen Unterschied. Beide haben ohne Schwierigkeiten und ohne Verzögerung auf die sitzenden Katzen scharfgestellt, und mit beiden war es NICHT möglich, den Kopf/ die Augen der Katzen scharf zu bekommen, wenn sie z.B. auf mich zu gelaufen kamen. Dafür sind beide Objektive einfach zu lahm. 

 

Beide Objektive haben ein etwas harsches, in bestimmten Situationen auch krisseliges, aber überwiegend wenigstens originelles, markantes Bokeh. Das stört mich jetzt nicht wirklich, von mir aus darf es ruhig auch mal blubbern/ kringeln/ swirln. 

 


 

Fazit: So wirklich bestätigt hat sich meine Vermutung bzw. Hoffnung nicht, dass das alte 50mm D besser ist als das neuere 50mm G, aber nur, weil das G nach vier Jahren Nerverei plötzlich auch einen anständigen Job gemacht hat. Das verstehe wer will... 

 

Eines steht aber auf jeden Fall fest: Schlechter ist das D auch nicht. Man kann also für durchschnittlich 70 Euro Gebrauchtpreis einfach zugreifen :)